Blog, Living with Algorithms, User Experience Design
Leave a comment

Spotify zum Lesen – Neue Website für »diary of the digital age«

2 min read

Heute werden weltweit pro Minute 72 Stunden Video auf YouTube hochgeladen, 3 Millionen Beiträge auf Facebook geteilt fast eine Viertelmillion Bilder auf Instagram gepostet. Pro Minute! In Zeiten digitaler Medien geht es also auch um die Frage, mit welchen Sortiersystemen man dieser Datenflut Herr wird.

E-Mails und Kontorhaus-Verhaltensmuster

Interessanterweise versuchen die Menschen immer noch, dem Overflow mit ihren im Guttenbergschen Zeitalter erworbenen Ordnungssystemen Herr zu werden – man denke zum Beispiel an ihr merkwürdiges Verhalten, die täglich herein schwappende Flut an E-Mails immer noch in virtuelle Postfach-Ordner zu sortieren – als würden sie in einem Kontorhaus der 50er Jahre arbeiten, als man noch jeden Brief gelocht und in einem Aktenordner abgelegt hat. Das ist ebenso vergeblich, wie der Versuch, allen Content auf Google in Ordner zu sortieren.

Spotify Storytelling

Den Wandel von der bürokratischen Listen- und Ordnerstruktur hin zu eher editorialen Zugängen, die Geschichten erzählen, kann man wunderschön bei den digitalen Musikdiensten beobachten. Was 2001, als itunes launchte, noch als schnöde Song-Liste begann, in der man sich Playlisten (natürlich in Ordnern!) zusammenstellen konnte, ist heute bei Spotify eine Magazin-Style-Startseite geworden, die ganz unterschiedliche Zugänge erlaubt: von »Deine Heavy Rotation – die Musik, die du diesen Monat immer wieder gehört hast«, über »Für Dich empfohlen« bis hin zu – mag ich besonders – »Zeitblase«. Unterscheiden tun sich diese unterschiedlichen Zugänge vor allem dadurch, ob sie durch die Spotify-Kuratoren zusammengestellt sind oder algorithmisch auf Grund des eigenen Hörverhaltens dargeboten werden. Wenn man die Spotify-Startseite anschaut, versteht man auch, wo das gute alte Plattencover abgeblieben ist: Es ist nicht verschwunden. Es hat sich nur verschoben und ist zum klickbaren Playlist-Aufmacher geworden.

Julia klammert sich an ihrem ipad fest – ob da wohl Spotify drauf ist?

Neue Startseite für »Content to connect«

Apropos Cover und apropos Zugangsmöglichkeiten. Wir haben unsere Startseite relauncht. Um dem alten Covergedanken Ehre dazubringen, haben wir wieder neu geshootet, mit der wunderbaren Kathrin Makowski. Und was die neue Struktur unserer Startseite betrifft: hier geht es nicht um Millionen von Songs. Aber auch unsere mittlerweile mehreren Hundert Beiträge verdienten eine andere Art der Sortierung. Vor allem eine, die je nach Leserpräferenz unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten erlaubt, ganz nach unserem Motto »Content to connect«. Und so findet Ihr jetzt auf unserer Startseite kuratierte Rubriken mit unseren Schwerpunktthemen, wie »on life in the digital age«, »on technology & mobility«, »contemporary history« und natürlich »writing & storytelling«; genauso aber auch algorithmisch zusammengestellte Einstiegspunkte wie »latest stories«, »reader’s favourites«, oder, um wieder bei der Musik zu landen, »mix tape«. Wobei ich mit den Algorithmen auf Spotify in letzter Zeit etwas auf Kriegsfuß stehe, da es mir seit mindestens zwei Jahren nicht gelingt, aus meiner persönlichen French Pop-Echokammer in der Playlist der Woche zu entkommen.

Da sieht man die neue Startseite auf dem ipad

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *