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MCBW-Interview: Was macht eigentlich … ein Story Consultant?

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Als Story Consultant beschäftigt sich Julia Peglow mit ihrem Unternehmen diary of the digital age mit Geschichten. Hier erklärt sie, warum Storytelling ein Skill ist, den wir im digitalen Zeitalter dringend brauchen.

MCBW: Was machst du?

Ich bin Story Consultant. Ich helfe Unternehmern dabei, die richtige Geschichte zu erzählen; und Storytelling für die Denkarbeit am Unternehmen zu nutzen, sozusagen als selbsterfüllende Prophezeiung. Das funktioniert immer, weil Story eine universelle Sprache ist: in der Arbeit am Geschäftsmodell, bei der Formulierung des USP oder der Entwicklung einer Strategie oder einer Leistung, oder bei der Frage nach Sinn und Bedeutung der Unternehmung. Gemeinsam entwickeln wir die Themen, über die noch nie gesprochen wurde; die aber helfen, mit der Zielgruppe in Verbindung zu treten. »If you can’t write it down, you don’t really know it«, hat der Story- und Drehbuch-Papst Robert McKee gesagt. Da hat er verdammt recht.

Julia zeigt sich in ihrem Element: als Story Consultant 

MCBW: Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?

Vor zwei Jahren habe ich meinen Chefposten an den Nagel gehängt, mich aus dem Agentur-Business verabschiedet und mir eine Denkauszeit genommen. Die Veränderungen durch die Digitalisierung hatten bei mir ernsthafte Fragen aufgeworfen: Wie wir in Zukunft leben, arbeiten, kommunizieren und kooperieren wollen. Auf der Suche nach Antworten startete ich meinen Blog »diary of the digital age«, ziemlich schnell hatten wir mehrere Tausend Leser im Monat – und ebenso schnell Anfragen von Unternehmen. Danach habe ich beide Welten verbunden: aus meiner langjährigen Erfahrung in der Markenentwicklung und Prinzipien des Storytellings das Coaching- und Workshop-Programm »design your story« entwickelt, auf dessen Basis ich heute arbeite.

MCBW: Schildere möglichst anschaulich ein Projekt, das dich besonders begeistert hat.

Wir haben ein tolles Newspaper entwickelt, zusammen mit dem move lab, dem Forschungs-Lab des Mobility Joint Ventures von BMW und Daimler. Das move lab ist ein kleines, visionäres Team, ihre Denkweise hat mich echt begeistert. Sie arbeiten an selbstinitiierten Projekten zur Zukunft der Mobilität und unserer Städte. Riesige, schwerwiegende Themen, aber sie packen sie in leichte, humorvolle Pop-Formate, z.B. eine App, in der man Autos in Einhörner verwandeln kann. Sie denken jedes Projekt vom Impact her. Das hat mich begeistert und ich habe bei ihnen mit meiner Arbeitsweise offene Türen eingerannt. Sie hatten aber noch nie über sich selbst geschrieben, immer nur über ihre Projekte. Bei diesem Perspektivwechsel konnte ich ihnen helfen.

MCBW: Welche Eigenschaft hilft dir in deinem Alltag am meisten? Warum?

Kontinuität. Ich schreibe jeden Tag, immer morgens die ersten 2-3 Stunden. Ich schreibe Morning Pages, ich blogge und ich arbeite an einem Sachbuch. Ich lese viel, mehrere Bücher parallel. Und das empfehle ich auch meinen Kunden, alles Gründer und Entrepreneure: sich diesen kontinuierlichen Denkraum und Freiraum für die aktive Arbeit an der eigenen Story in ihrem Tagesgeschäft zurückzuerobern – denn dieser ist oft vereinnahmt durch die Flut von E-Mails, Terminen und Troubleshooting. Ich glaube, das mit dem Storytelling ist wie mit Yoga, gesunder Ernährung oder klimaschonendem Verhalten und all diesen unbequemen Wahrheiten des digitalen Zeitalters: es hilft leider nur, wenn man es kontinuierlich betreibt. 

MCBW: Was ist dir an deinem Job am wichtigsten?

In meiner langjährigen Arbeit in der Beratung und als Geschäftsführerin von Brandingagenturen habe ich Marken für Produkte und Unternehmen entwickelt. Dabei haben wir immer in Corporate Design-Systemen, Werte- und Positionierungsmodellen gedacht – aber nie in tollen Geschichten. Irgendwann habe ich gemerkt: das, was mich wirklich interessiert, sind die Menschen dahinter. Ich finde es toll, Ihnen zuzuhören und herauszufinden was sie antreibt, was sie verändern wollen. Das sind die besten Geschichten, und diese zu finden ist, wofür ich brenne.

MCBW: Mein Job ist unverzichtbar, weil…

… sich sonst niemand um die Story kümmert. Ich bin fest davon überzeugt, dass Unternehmer und Unternehmen elementare Skills wie Kreatives Denken oder die Arbeit an ihrer Story nicht mehr einfach der Marketingabteilung oder einem flugs eingestellten Social Media Manager überlassen können; oder es an einen „Texter“ oder eine Kreativagentur outsourcen können, die dann – tataaa – eine Show aus dem Hut zaubert, mit Konfetti und Glitzer. Unternehmer müssen diese Skills vielmehr in ihre eigene Denkweise und in ihre Unternehmenskultur integrieren. 

 

MCBW: Wenn du nicht Storytelling Consultant wärst, was wärst du dann?

Schriftsteller. Es ist fantastisch, sich sozusagen mit der reinen Story auseinanderzusetzen. Ich glaube, Bücher schreiben macht süchtig.

 

Im Rahmen der MCBW öffnet Julia die Türen ihres Workshop-Space für »Design Your Story«.

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